Lymphdrainage

Die Lymphdrainage basiert auf dem theoretischen Wissen des Lymphgefäßsystems. Erste Beschreibungen und Erkenntnisse dieses Systems gab es schon vor dem 16. Jahrhundert. In seiner Gesamtheit wiederentdeckt und beschrieben wurde das Lymphgefäßsystem im 17. Jahrhundert. Die Lymphdrainage an sich wurde jedoch erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelt.

Was versteht man unter Lymphdrainage?

Die manuelle Lymphdrainage ist eine Therapieform der physikalischen Therapie und ihre Wirkungsweise ist breit gefächert. So dient sie unter anderem als Ödem- und Entstauungstherapie geschwollener Körperregionen, wie z.B. dem Körperstamm und der Extremitäten. Ödeme (Wasseransammlungen im Gewebe) können durch Operationen entstehen, bei denen Lymphknoten entfernt werden, z.B. Brustkrebsoperationen oder Unterleibsoperationen. Weitere Indikationen sind sämtliche orthopädische und traumatologische Erkrankungen, die mit einer Schwellung einhergehen (Verrenkungen, Zerrungen, Verstauchungen, Muskelfaserrisse etc.).

Auch in der Schmerzbekämpfung, wie auch vor Operationen wird die manuelle Lymphdrainage eingesetzt um die mit Zellflüssigkeit überladenen Gewebe zu entstauen. Der Patient verspürt eine deutliche Erleichterung und dadurch eine Schmerzlinderung.

Wie wirkt die Therapie?

Die Lymphe entsteht dadurch, dass Blutplasma durch feinste Blutkapillaren (kleinste Adern) ins Gewebe sickert und dort die Körperzellen umspült. Nach ihrem Durchtritt durch das Gewebe sammelt sich dieses Gewebswasser als „Lymphe“ in den Lymphbahnen. Diese leiten den Flüssigkeitsstrom aus den Armen und Beinen zurück in das Zentrum des Körpers und münden schließlich wieder im Blutgefäßsystem. Die Lymphe passiert auf diesem Weg viele Lymphknoten, die Bakterien, Viren, Zelltrümmer und andere Abfallstoffe aus der Flüssigkeit herausfiltern.

Bei Verletzungen und Operationen werden diese Lymphbahnen häufig unterbrochen. Der Rückfluss der Lymphe aus den Geweben ist dann behindert, und es können sich Lymphstauungen in der Form von Schwellungen und Ödemen bilden.

Es gibt auch Erkrankungen des Lymphsystems. In diesem Fall funktioniert der Lymphkreislauf nicht mehr richtig, das heißt der Körper ist nicht mehr in der Lage, Lymphe abzutransportieren.

Der Therapeut versucht, durch spezielle medizinische Massagegriffe entlang der Lymphbahnen den Abfluss der Flüssigkeit zu beschleunigen und so die Ödeme zu beseitigen. Die Lymphdrainage wird aber selten in der Praxis als alleinige entstauende Maßnahme eingesetzt. Hinzu kommen meist Kompressionsbehandlungen (Bandagen, Kompressionsstrümpfe) und Krankengymnastik.

Wer hat die Lymphdrainage erfunden?

Die manuelle Lymphdrainage in ihrer modernen Form wurde von dem dänischen Masseur Emil Vodder entwickelt. Während seiner Tätigkeit an einem Institut für physikalische Therapie in Cannes (Südfrankreich) vor ca. 50 Jahren beobachtete er, dass Kurpatienten mit chronischen Erkältungskrankheiten oft stark geschwollene Lymphknoten am Hals aufwiesen. Vodder massierte – entgegen der damaligen Lehrmeinung- die vergrößerten Halslymphknoten eines jungen Mannes mit vorsichtigen Dreh- und Pumpbewegungen. Der junge Mann wurde wieder gesund. Damit bewahrheitete sich der Satz: „Wer heilt hat Recht!“

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